Chronik

1. Judo Bundesliga

Am kommenden Wochenende steht Felix im Aufgebot zur 1. Bundesliga mit seiner Mannschaft.

Er wird mit Witten gegen den 3. Platzierten des Letzen Jahre der 1. Bundesliga in Potsdam antreten.

1987 - 1997 Blütezeit der Judosparte

Das Jahrzehnt von 1987 bis 1997 sollte hinsichtlich der konstanten sportlichen Erfolge auf höchstem Niveau und insbesondere auch aufgrund der unvergleichlichen Ferienfreizeitaktivitäten zu einer außergewöhnlichen Blütezeit der Judoabteilung führen. Auf der einen Seite verteilte sich die Belastung für die Übungsleiter auf mehrere Schultern, auf der anderen Seite bildete sich eine homogene Leistungsgruppe, die bezüglich Organisation der sport- und freizeitlichen Aktivitäten von der intensiven Unterstützung der Eltern profitierte.

Während Norbert Schulz sein Hauptaugenmerk verstärkt wieder dem Leistungsbereich zuwenden konnte, weil mit Michael Gottfried, Mona-Larissa Schulz und Lothar Gorling neben einigen anderen jungen Übungsleitern der Nachwuchsbereich abgedeckt werden konnte, fing Ralf Regener fast ein Jahrzehnt all diejenigen jugendlichen Judoka in seiner Breitensportgruppe auf, die am Wettkampfgeschehen nicht unbedingt interessiert waren.

1990 überzeugte Jessica Richter mit einem Doppelschlag. Sie wurde sowohl ganz souverän Landesmeisterin als auch Norddeutsche Meisterin. Diese Erfolge bei der Jugend B wiederholte sie ein Jahr später, wobei sie bei der Landesmeisterschaft allerdings „nur Vize“ wurde. Friederike Meissner platzierte sich 1991 In genau umgekehrter Reihenfolge: zunächst Landesmeisterin und dann Norddeutsche Vizemeisterin. Henning Bosse freute sich über seine Vizelandesmeisterschaft. Er unterlag lediglich Oliver Spengler (Gussenberg), dem späteren zweimaligen deutschen Olympiastarter (2000 und 2004).

Sayonara Party zum 25-jährigen Bestehen der Judoabteilung

Der Gegenbesuch der japanischen Jugenddelegation erfolgte jeweils ein Jahr später. Die Organisation und Unterbringung teilten sich die SVN-Judoka mit Elsdorf (1994) und Mainz (1997). Natürlich galt auch für die Japaner die Unterbringung in deutschen Familien neben den sonstigen vielfältigen Aktivitäten als das Erlebnis schlechthin. Allerdings blieben auch den aufnehmenden deutschen Familien aufgrund der unterschiedlichen Kulturen und sprachlichen Barrieren unvergessliche Momente und Eindrücke haften. Verabschiedet wurden die japanischen Gruppen jeweils traditionell mit einer Sayonara Part im Hagensaal Nienhagen.

Im August 1997 nutzte man diese Gelegenheit, um etwas verspätet gleichzeitig auch das 25-jährige Jubiläum der Judoabteilung des SV Nienhagen nachzuholen. Viele aktive Judoka, etliche ehemalige und einige Honoratioren aus der Gemeinde und dem Judokreis nahmen an diesem als Sayonara Party gestaltetem Festakt teil. Gemäß deutscher Tradition durfte Suzuki Michiaki eine große Geburtstagstorte anschneiden, der als Freund und Organisator auf japanischer Seite für den Austausch verantwortlich zeichnete und an diesem Tag seinen Geburtstag feierte.

Kontinuierlicher Neuaufbau durch Maik Edling

Ab 1997 ließ die überdurchschnittliche Zahl von Platzierungen auf Landes- und Norddeutscher Ebene nach, weil sich – wie schon so oft zuvor – die aus dem jugendlichen Alter herauswachsenden Athleten und Athletinnen wegen ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung von Nienhagen weg orientierten. Gleichwohl gelang Maik Edling zuvor noch mit Carsten Mayer aus dem eigenen Nachwuchs bei der U13 1995 und 1996 der Landestitel. Dann allerdings musste man sich bis 1999 gedulden, bis Robert Walmsley Norddeutscher Meister bei der U18 wurde. Es dauerte weitere vier Jahre, bis die kontinuierliche Aufbauarbeit von Maik Edling erneut Früchte trug. Fritz Brinkmann erkämpfte die Landesmeisterschaft bei der U14, Marcel Kretzmeyer holte sich 2003 die Vizelandesmeisterschaft bei der U17. Den Durchbruch schafften dann im selben Jahr Fritz Brinkmann und Aaron Kraska, die beide unangefochten gleich zwei Nordtitel mit nach Nienhagen brachten. Dieser überdurchschnittliche Erfolg nach längerer Abstinenz war dem Bürgermeister Nienhagens sogar einen Empfang im Rathaus wert.

2004 schlossen sich der Landestitel von Marcel Kretzmeyer und die Vizelandesmeisterschaft von Marc Wesemann (beide U17) an. Fritz Brinkmann und Marcel Kreztmeyer ließen ihre Erfolgsserie nicht abreißen und konnten erst im Finale der Norddeutschen Meisterschaft von 2004 gestoppt werden. Erstmals gelang dem SVN 2006 mit Marcel Kretzmeyers Vizelandesmeisterschaft auch wieder ein Erfolg bei den Junioren der U20.

Insgesamt nahmen die Junioren und Senioren des SVN in ungewohnter Vielzahl auch auf Bezirksebene eine immer stärkere Rolle ein. Nach zwei Wettkampfjahren in der Bezirksliga stiegen die Männer 2006 durch den Verzicht des Bezirksmeisters als Vizebezirksmeister in die Landesliga auf.

2. Bundesliga Frauen - Landesliga Männer

Aufgrund einer Bundesligareform kam der SVN 1994 unverhofft zu einer Bundesligamannschaft der Frauen. Die zweite Mannschaft des PSV Braunschweig war der Reform zufolge nicht mehr für die 2. Bundesliga startberechtigt und konnte vom SV Nienhagen übernommen werden. Mit Blick auf die erfolgreichen SVN-Amazonen langte Norbert Schulz in der Hoffnung zu, dass der eigene Nachwuchs schnell heranreift und in Kürze den Stamm der Bundesligamannschaft bilden könnte. Zwar konnte das Team im zweiten Jahr bereits durch Jessica Richter und Michaela Beister aus den eigenen Reihen aufgefüllt worden, doch die Konzeption erwies sich schnell als brüchig und zu kostspielig, so dass der SVN bereits nach zwei Jahren aus dem Abenteuer Bundesliga wieder ausstieg.

Parallel dazu stieg Maik Edling mit der zum überwiegenden Teil aus der Jugendarbeit der vergangenen Jahre neu formierten Männermannschaft von der Bezirksoberliga in die Niedersachsenliga der Männer auf. Leider erwies sich das Kämpferpotenzial mit Sebastian Hütker, Farettin Sanli, Ralf Regener, Sven Jacobi, Maik Edling, Detlef Bratzke und Ahmet Güngörmüs von der Masse her als zu schwach, so dass man die Ligasaison 1995 schon gar nicht mehr für alle Kampftage abschließen konnte und dafür vom NJV empfindlich zur Kasse gebeten wurde und natürlich auch gleich wieder abstieg.

Deutsch-japanischer Simultanaustausch

Den Ferienfreizeiten folgte die Zeit des deutsch-japanischen Simultanaustausches von 1993 bis 1997. Mit den Erfahrungen aus dem deutsch-japanischen Simultanaustausch der Deutschen Sportjugend von 1983 und seinen Funktionärsverbindungen zu Bundesjugendsekretär Rainer Hussong startete Norbert Schulz 1993 das Abenteuer Japan. Der von Rainer Hussong mit seinem Heimatverein PSV Mainz initiierte Austausch lief bereits seit einigen Jahren auf privater Basis, allerdings suchten die Rheinländer zur Komplettierung zukünftiger Gruppen neue Partner, die Hussong dann mit dem SV Nienhagen und der ASG Elsdorf fand.

Nach umfangreichen vorbereitenden Seminaren insbesondere auf die japanische Kultur und Lebensweise flogen Norbert Schulz, Markus Buchholz, Sebastian Hütker, Manuela Klav, Bianca Lindecke, Friederike Meissner, Jessica Richter und Oliver Rohde dann mit einer 19-köpfigen Reisegruppe für gut drei Wochen nach Japan. Zielort war Hamamatsu (ca. 500.000 Einwohner) in der Präfektur Shizuoka. Die Stadt liegt ca. 1,5 Fahrstunden mit dem Shinkansen südlich von Tokio in der Mitte zwischen der japanischen Hauptstadt und Osaka.

Die Highlights der Reise waren ohne Zweifel der Aufenthalt in Tokio, das Ume-Fest im für seine Thermalquellen berühmten Badeort Atami, die anstrengende Nachtbesteigung des 3.776 m hohen Fuji, dem heiligen Berg der Japaner, und natürlich das einmalige Erlebnis des Aufenthaltes in den japanischen Gastfamilien. Dabei kam auch das Judotraining nicht zu kurz,wobei die Judoka aus Nienhagen und Elsdorf sogar an einem japanischen Turnier teilnehmen durften.

Die zweite Reise 1996, an der Norbert Schulz, Anne Mai, Nadine Bodenstab, Johan Bosse, Markus Buchholz, Oliver Rohde, Yvonne Wäsche und Corinna Zeller teilnahmen, führte die SVN-Judoka zudem nach Kyoto in das Zentrum der traditionellen japanischen Kultur mit seinen unzähligen buddhistischen Tempeln, Shinto-Schreinen und den weltberühmten Gärten. Auch der Besuch eines japanischen Baseballspiels der Nagoya Dragons hinterließ nachhaltigen Eindruck.

Trainerneuzugang und Präsidentenamt

Im Frühjahr 1992 stand urplötzlich ein neunzehnjähriger junger Mann in der Halle und offerierte den Verantwortlichen voller Selbstbewusstsein, dass er als Trainer beim SVN einsteigen möchte. In den ersten gut anderthalb Jahren stand Maik Edling, den die Wende mit seinen Eltern von Schwerin nach Celle gespült hatte, als Assistent von Norbert Schulz auf der Matte. Nach den Sommerferien 1993 begann er dann mit außergewöhnlichem Engagement und großer Zuverlässigkeit auch mit eigenen Nachwuchsgruppen zu arbeiten.

Im Herbst 1994 ließ sich Norbert Schulz zum Präsidenten des Niedersächsischen Judo-Verbandes wählen und behielt dieses zeitaufwendige Ehrenamt bis Ende 2002 inne. Anfang 1997 kam auch noch das Amt des Abteilungsleiters hinzu, das Jürgen Bosse nach sechsjähriger Amtszeit abgab. Das führte dazu, dass die bis dato durch Norbert Schulz bestimmte Leistungsarbeit für die SVN-Judoka in der bisherigen intensiven Form nicht fortgeführt werden konnte. So wuchs Maik Edling relativ schnell in die Rolle des Leistungstrainers hinein und übernahm nach und nach den Wettkampfbereich der U17 und der Männer, während sich Norbert Schulz auf den Nachwuchs- und Breitensportbereich konzentrierte.

Die Verlagerung der Interessen von Norbert Schulz führte letztendlich auch dazu, dass die Ausrichtung der Deutschen Einzelmeisterschaft der Frauen U19 im Oktober 1994 zur letzten Großveranstaltung in Nienhagen und das Internationale Hacheturnier nur wenige Monate später im Februar 1995 eingestellt wurde. Das lag zum Teil aber nach langen Jahren intensiver Ausrichtungen von überregionalen Meisterschaften und Turnieren auch an der immer geringer werdenden Bereitschaft zur Mitarbeit. Fortan beschränkte man sich auf die Ausrichtung von Veranstaltungen auf Bezirks- und Kreisebene, was der eigenen Nachwuchsarbeit näher kam.

Ungewöhnlich konstante Erfolge über Jahre

Die Jahre 1992 bis 1995 gehörten neben dem Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft 1981 zu den wohl erfolgreichsten der Judo Abteilung. Vier Landesmeister 1992 (Manuela Klav, Friederike Meissner, Jessica Richter, Markus Buchholz), Inken Voß als Vizelandesmeisterin sowie drei Norddeutsche Vizemeisterschaften durch Meissner, Richter und Buchholz legten ein beredtes Zeugnis über die neue Leistungsstärke der SVN-Judoka ab.

Noch viel besser aber lief es 1993. Maik Edling bei den Junioren, Manuela Klav bei der Jugend A, Markus Buchholz und Oliver Rohde bei der Jugend B wurden Landesmeister, dazu kamen drei Vizemeisterschaften bei der Jugend B durch Johan Bosse, Inken Voß und Friederike Meissner. Die drei anschließenden Norddeutschen Vizemeisterschaften von Manuela Klav, Jessica Richter und Johan Bosse, denen sich noch vier dritte und ein fünfter Platz anschlossen, waren dann fast schon keine Überraschung mehr, gleichwohl in dieser Häufung immer noch sensationell.

Jessica Richter krönte ihre erfolgreiche Judokarriere dann mit einem 3. Platz bei der Deutschen Meisterschaft in Wiesbaden, die mit weiteren 5. Plätzen durch Inken Voß, Friederike Meissner und Markus Buchholz bis dato zu den erfolgreichsten Deutschen Einzelmeisterschaften für die SVN-Judoka wurden.

Überragend in diesen Jahren auch das Abschneiden bei den Mannschaftsmeisterschaften, das ein Bild mannschaftlicher Harmonie widerspiegelte. Vizelandesmeisterschaft 1993 für die männliche wie auch die weibliche Jugend B-Auswahl des SVN. Bei den Norddeutschen Titelkämpfen trumpften die Mädchen gar als Norddeutscher Meister auf, die Jungen wurden Vizemeister. Diese Erfolge auf Landes- und Norddeutscher Ebene setzten sich 1994 bis 1996 mit Verstärkung einiger Fremdkämpfer aus anderen Vereinen bei der männlichen Jugend A fort.

Ferienfreizeiten in Schweden, Dänemark und Hollang

1989 wurde die Idee der Sommerferienfreizeiten geboren. Karl Sartorius, Vater von Kirsten und beruflich überwiegend in Schweden zu Hause, kundschaftete im Süden des Landes am Fegensee einen Zeltplatz ohne jegliche Zivilisation aus. Abenteuerurlaub mit angemieteten Kanus, Verpflegung ohne Stromanschluss und morgendlicher Wäsche einschließlich Zahnpflege im klaren und reinen See war angesagt. 1990 folgte als Ferienfreizeit die Nordseeinsel Römö in Dänemark. Der Zeltplatz bei Havneby, den Jürgen Bosse und Norbert Schulz zuvor inspizierten, hatte gegenüber der puren Natur in Schweden dann schon gehobenen Standard.

Den absoluten Höhepunkt der Ferienfreizeiten erlebten Kinder und Eltern im Sommer 1991 auf der zwischen dem südschwedischen Festland und der pommerschen Küste mitten in der Ostsee gelegenen dänischen Insel Bornholm. Erkundet wurde die Insel vorab mit fliegender Unterstützung eines begeisterten Judovaters mit einer viersitzigen Tobago. Mit dem Lyngholt Familien-Campingplatz zwischen Vang und Allige fand sich ein idealer Zeltplatz mit einem eigens abgegrenzten Teil für Jugendgruppen unweit der schönsten Schloßruine Dänemarks, der Feste Hammershuis. Abgeschlossen wurde die Zeit der Ferienfreizeiten dann 1992 mit einem Zeltlager auf der holländischen Insel Ameland.

Ohne Unterstützung und Organisationshilfe durch die Eltern wäre das natürlich alles nicht möglich gewesen. Hervorzuheben ist hier insbesondere der Einsatz von Anne und Ewald Richter, die sowohl für die Logistik der Verpflegung als auch für die Zubereitung der Mahlzeiten für bis zu jeweils 50 und mehr Personen pro Reise verantwortlich zeichneten. Die Küchenausrüstung sowie das große Küchenzelt stellte die DLRG Ortsgruppe für die jeweils zehntägige Reisedauer zur Verfügung.

Letztendlich organisierte Gerd Hampel auch für die Breitensportgruppe der Erwachsenen in seiner Eigenschaft als „Altenwart“ Himmelfahrt 1994 eine Reise in die Weinberge von Sümeg nach Ungarn.

Führungswechsel und Rückkehr in die Erfolgsspur

Anfang 1987 legte Hans-Dieter Fassbender sein Amt als Abteilungsleiter nieder, blieb der Sparte für weitere Jahre aber als 2. Vorsitzender, Organisator der Hache-Turniere und natürlich auch als aktiver Breitensportler erhalten. Für seine Verdienste um den Judosport wurde Hans-Dieter Faßbender bereits am 24.04.1985 durch den Niedersächsischen Judo-Verband mit der Ehrennadel in Gold ausgezeichnet und erhielt im Januar 1995 den 1. Dan-Grad verliehen; der SV Nienhagen ernannte ihn auf seiner Mitgliederversammlung im Januar 2005 zum Ehrenmitglied.

Als aktiver „Judovater“ übernahm Rolf Eiser (1 Kyu) von 1987 bis 1991 das Kommando als Abteilungsleiter. Ihm folgte von 1991 bis 1997 Jürgen Bosse (2. Kyu), der wie Rolf Eiser gleichfalls über seine Söhne zum aktiven Judosport gekommen war.

Der sportliche Aufschwung begann mit den Vizelandesmeisterschaften von Mona-Larissa Schulz (1987), Ahmet Güngörmüs und Tanja Harms (beide 1988) bei der Jugend A, wobei sich Mona und Tanja mit 3. Plätzen auf der Norddeutschen sogar für die Deutsche Einzelmeisterschaft qualifizierten. Andreas Ihlenburg erkämpfte sich 1989 bei der Jugend B die Landesmeisterschaft, Sebastian Hütker wurde in Berlin ganz überraschend Norddeutscher Meister der Jugend B.

Die neu formierte Männermannschaft mit Andreas Müller, Ethem Akyüz, Mario Merten, Michael Gottfried, Oliver Danner, Frank Baumgartner, Matthias Mund, Ahmet Güngörmüs, Andreas Hüls und Harry Mrozinski schaffte 1989 auf Anhieb den Aufstieg von der Bezirksliga in die Bezirksoberliga.

Sportliche Talsohle - vielseitige Aktivitäten

Mitte der 80-iger Jahre ging es hinsichtlich der ganz großen sportlichen Erfolge etwas ruhiger bei den SVN-Judoka zu. Zwar konnte man sich nach wie vor über regen Zulauf beim Judonachwuchs nicht beklagen, doch bedurfte es einiger Zeit des Neuaufbaus, bis sich ab ca. 1987 langsam eine neue homogene und wieder von Eltern unterstützte erfolgreiche Jugendgruppe etablierte. Zwischendurch stand mehr das gemeinschaftliche Erlebnis im Vordergrund, obgleich der Sportbetrieb bzw. der Wettkampf nicht vernachlässigt wurde.

In schöner Erinnerung bleiben die vielen gemeinsamen Faschingsfeiern mit den Gymnastikdamen, mit denen man sich lange Zeit montags die Halle teilte. Über unzählige Vatertagstouren mit den gesamten Judofamilien in den achtziger Jahren ließen sich ebenfalls Bücher füllen. Während Norbert Schulz im Juli/August 1983 mit einer Jugendlandesauswahl anlässlich des 10. deutsch-japanischen Simultanaustausches der Deutschen Sportjugend in Japan weilte, empfing und betreute Hans-Dieter Faßbender mit seinen SVN-Judoka für ca. eine Woche die japanische Delegation in Nienhagen mit offiziellen Empfängen bei der Gemeinde und dem Landkreis sowie einem unvergessenen Vergleichskampf in der Nienhagener Sporthalle. Noch heute schwärmen Beteiligte von den schönen Erlebnissen und Anekdoten, die sich durch die private Unterbringung, die unterschiedlichen Kulturen sowie den sprachlichen Barrieren ergaben.

In diese Zeit der sportlichen Talsohle fielen auch die Reisen mit Jugendlichen im Sommer 1985 in die Wathlinger Patengemeinde Villeparisis (Paris) und Ostern 1986 in die Nienhagener Patengemeinde Senely Green (Mittelengland). Die Pariser Erinnerungen leben von dem unter freiem Himmel und bei strömenden Regen im Rugby-Stadion ausgetragenen Vergleichskampf, von der Englandreise blieben die vielen schönen Erlebnisse in den Gastfamilien und die Eindrücke vom Tagesaufenthalt bei der Rückreise in London haften. Diese Reisegruppe bestand aus Kindern, Jugendlichen und fast der kompletten Breitensportgruppe der Erwachsenen.Allerdings formte sich zu dieser Zeit aus jungen Nachwuchskämpfern und einigen „alten Hasen“ bereits auch schon die erste Männermannschaft des SVN, die in der Besetzung Binali Akyüz (-60 kg), Oliver Danner (-65 kg), Frank Baumgartner (-71 kg), Matthias Mund (-78 kg), Norbert Schulz und Ralf Regener (-86 kg), Gerd Keitel (-95 kg) und Harry Mrozinsky (+95 kg) 1985 Vizebezirksmeister bei den Senioren wurde.

Internationale Elite in Nienhagen zu Hause 1982

Die Ausrichtung der Deutschen Einzelmeisterschaft der Damen im November 1982 brachte das kleine Heidedorf erneut in die Schlagzeilen. Norddeutscher Rundfunk und Fernsehen sendeten aus Nienhagen, der „Stern“, die „Bild“-Zeitung und sogar „Die Welt“ berichteten von den Deutschen Meisterschaften. Das zu dieser Zeit noch nicht ganz ernst genommene Damenjudo rückte mit der amtierenden Weltmeisterin Barbara Claßen und den Europameisterinnen Karin Krüger (1978) und Birgit Friedrich (1981), den ebenfalls am Start befindlichen Weltklasseathletinnen Regina Philips, Gaby Ritschel, Alexandra Schreiber und Regina Siegmund immer mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit.

In den Folgejahren trug der SV Nienhagen mit der Ausrichtung von insgesamt 16 Internationalen Hacheturnieren der weiblichen Jugend bzw. der Frauen U19 in der Zeit von 1980 bis 1995 nicht unerheblich zur Entwicklung des deutschen Damenjudo bei. Das Turnier zu Beginn des Jahres mauserte sich rasch zu einem der größten und bedeutendsten Turniere Mitteleuropas und galt für die deutschen Kaderathletinnen bis zu seiner Einstellung im Jahre 1995 als Qualifikationsturnier für Europa- und Weltmeisterschaften. Allein 9 Nationen meldeten für das Turnier 1990. Viele in Nienhagen beim Hacheturnier erfolgreiche Athletinnen behaupteten sich später auch bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften.

Deutscher Mannschaftstitel für SVN-Mädchen

Gleich 1980 wurden die Jungen wie auch die Mädchen der Jugend A zum ersten Mal Bezirksmannschaftsmeister. Die Zwillinge Sabine und Susanne Faßbender qualifizierten sich beide für die Deutschen Meisterschaften in Berlin, wobei Susanne mit dem 5. Platz knapp das Treppchen verfehlte. Matthias Mund schaffte den Sprung zur Norddeutschen Meisterschaft, die männliche Jugend A stieg in die Jugendlandesliga auf.

Als das für die Judoabteilung gleichwohl erfolgreichste Sportjahr dürfte 1981 in die Vereinschronik eingehen. Markus Böse und Frank Baumgartner wurden Jugendlandesmeister, Jens Reichelt und das männliche SVN-Jugendteam wurden Vizelandesmeister. Manuela Baumgartner glänzte bei den Internationalen Deutschen Jugendmeisterschaften mit einem 3. Platz, während sich Sabine Faßbender als Norddeutsche Meisterin zum dritten Mal in Folge für die Deutsche Meisterschaft qualifizierte.

Absolutes Highlight aber war der sensationelle Gewinn der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft der weiblichen Jugend A am 16. Mai 1981 in eigener Halle, nachdem man bei den vorausgegangenen Landes- und Norddeutschen Meisterschaften gegen die übermächtig erscheinende Konkurrenz in Niedersachsen (PSV Braunschweig, JKG Diekholzen) und im Norden (Turnerbund Hamburg-Eilbeck) nur jeweils Vizemeister wurde.

Sabine Faßbender (-44 kg), Susanne Faßbender (-48 kg),Manuela Baumgartner (-52 kg), Christiane Mohwinkel (-56 kg), Gaby Reichelt (-60 kg), Silke Regener (-65 kg) und Birgit Bartsch (+65 kg) gehörten uneingeschränkt zur ersten Auswahl; Elke Mecke (-48 kg), Martina Müller (-52 kg), Christine Mund (-56 kg), Katrin Falk (-60 kg) und Carmen Köhler (-65 kg) stellten den Ersatz.

SV Nienhagen Deutscher Mannschaftsmeister 1981 weibl. Jugend A

Doppelspitze Faßbender / Schulze 1980

Im Januar 1980 bezog Norbert Schulz, langjähriger Übungsleiter (1970 – 1977) und Abteilungsleiter beim MTV Celle, zuletzt als Trainer beim SV Hambühren (1978/79) tätig, seinen Neubau in Nienhagen. Anlass genug für die Verantwortlichen des SV Nienhagen, den amtierenden Jugendleiter des Niedersächsischen Judo-Verbandes (1978 – 1984) und Träger des 2. Dan zu bitten, das Training der SVN-Judoka zu übernehmen.

Mit der Zusage von Norbert Schulz, dem in Nienhagen vorhandenen Wettkämpferpotential, dem Einsatzwillen der vielen ehrenamtlichen Helfer in der Judosparte, der finanziellen und ideellen Unterstützung durch den SVN-Vorstand und insbesondere der Gemeinde Nienhagen, entwickelte sich die Judoabteilung mit ihrer Jugendarbeit und ihren exzellenten Turnierausrichtungen ungemein schnell zu einer konstanten Größe weit über Niedersachsen hinaus. Dabei ergänzten sich Norbert Schulz als Trainer und Hans-Dieter Faßbender als Abteilungsleiter mehr als über ein Jahrzehnt in idealer Weise.

Während Norbert Schulz durch seine Funktionen beim Niedersächsischen Judo-Verband und beim Deutschen Judo-Bund – mehr aber noch durch sein intensives Training – die sportlichen Akzente beim SVN bestimmte, war es Hans-Dieter Faßbender, der hauptsächlich für die organisatorischen Angelegenheiten verantwortlich zeichnete. Unermüdlicher Einsatz und Organisationstalent führten im Laufe der folgenden Jahre zu unvergessenen Turnierausrichtungen, Lehrgängen und sportlichen Erfolgen.

Norbert Schulz (li.) und Hans-Dieter Faßbender (re) zusammen mit NJV-Kampfrichterobmann Rolf Lerch beim Hache-Turnier 1985

Eltern - Rückrat der Sparte

Nicht zuletzt sicherten hoch engagierte Eltern den Bestand der Judoabteilung; Eltern, die sich als Anfänger auch selbst als Gruppe formierten und auf die Matte gingen. Während die Kinder im Laufe der Jahre ihre Gürtel an den Nagel hingen, blieben die Eltern weiterhin bei der Stange und bildeten das Rückgrat der Judoabteilung. Diese Gruppe ist im Laufe der folgenden Jahre immer wieder durch Neuzugänge aufgefrischt worden – insbesondere gezielt durch erfolgreiche Integration von Eltern neuer Judokinder – und besteht noch heute. Der älteste aktive Judoka 2006 war 67 Jahre alt, drei weitere haben die 60 überschritten, die jüngste Aktive dieser gemischten Gruppe war zu diesem Zeitpunkt 39. Ohne den unermüdlichen Einsatz und die engagierte Mithilfe dieser Trainingsgruppe hätten die vielen großen Turniere und Meisterschaften in den folgenden zwei Jahrzehnten in Nienhagen nicht durchgeführt werden können.

Ungeachtet der prekären Trainersituation setzten sich die sportlichen Aktivitäten und Erfolge mit hervorragenden Leistungen auf Landes- und Norddeutscher Ebene fort. Mit einem 3. Platz auf der Norddeutschen Einzelmeisterschaft 1978 blieb es Andreas Müller als amtierenden Landesmeister der Jugend A vorbehalten, als erster SVN-Judoka die Qualifikation für eine Deutsche Meisterschaft erreicht zu haben. Birgit Bartsch folgte ihm im selben Jahr mit dem Gewinn der Norddeutschen Meisterschaft. Ein Jahr später im Oktober 1979 schaffte Sabine Faßbender mit einem 3. Platz bei der Deutschen Einzelmeisterschaft der Jugend A in Celle sogar den Sprung in den Jugendnationalkader. Peter Morgenstern erkämpfte sich die Landesmeisterschaft bei den Junioren. In dieser schweren Zeit machte sich insbesondere auch der dann viel zu früh verstorbene Wilfried Meyer als Betreuer und Seele der Kinder und Jugendlichen unentbehrlich.

Die Breitensportgruppe der Erwachsenen rekrutierte sich vorwiegend aus den Eltern der Judokinder

Trainerlose Zeit 1978 / 1979

So stand man in Nienhagen Ende 1977 plötzlich ohne Trainer da. Vom neuen Abteilungsleiter Hans-Dieter Faßbender und dem 1. Vorsitzenden des SV Nienhagen, Klaus-Gärtner, wurden alle Möglichkeiten ausgeschöpft, um die Abteilung am Leben zu erhalten. Notgedrungen und unvorbereitet übernahm Heinz Meldau (1. Kyu) Übungseinheiten. Später kamen Udo Schmidt (1. Kyu), Thomas Fassbender (1. Kyu) Ulrich Kudraß (1. Dan) und der in Nienhagen ansässige Wolfgang Piritz (Deutscher Leichtgewichtsmeister der Jahre 1951/54/57) wechselseitig zu Hilfe.

Insofern hielt man sich Ende der 70-iger Jahre mit viel Einsatz und noch größerem Ideenreichtum über Wasser. Unter anderem weilte Deutschlands erfolgreichster Judoka, Klaus Glahn, als Lehrgangsleiter in Nienhagen auf der Matte. Im Mai 1978 stand Isao Okano, japanischer Weltmeister und Olympiasieger, im südlichen Heidedorf im Mittelpunkt. Beim Finale der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft der Männer 1978 zwischen dem VfL Wolfsburg und dem JC Rüsselsheim bestritten die Jungen und Mädchen des SVN den Vorkampf. Gemeinsames Training mit den weit über die Landesgrenzen erfolgreichen Jugendlichen des VfL Wolfsburg und der JKG Diekholzen erweiterten den Erfahrungshorizont.

Aufschwung durch neue Sporthalle 1974

Die Einweihung der neuen großen Sporthalle am Jahnring im Jahr 1974 nahm ungeahnten Einfluss auf die zukünftige Entwicklung des Judosports in Nienhagen. Nicht nur das nunmehr auch wesentlich mehr Mattenfläche zur Verfügung stand, endlich konnten durch die hervorragenden Rahmenbedingungen auch Lehrgänge und Meisterschaften gezielt nach Nienhagen geholt werden. Die Mitgliederzahl steigerte sich auf 125 Personen und blieb im Laufe der nächsten Jahrzehnte mit kleinen Schwankungen nach oben und unten Abteilungsstärke.

Rührselige Ausrichtungen und anerkannt gute Organisationen von Lehrgängen und Turnieren durch das Ehepaar Küster – zwischenzeitlich stand auch Ute Küster (1. Kyu) dem SVN als Trainerin zur Verfügung – verhalfen dem SV Nienhagen zu einem anerkannt guten Ruf. Die Landes-Mannschaftsmeisterschaft der Schüler 1975 war die erste Ausrichtung einer Landesmeisterschaft und sollte der Auftakt für viele, große Veranstaltungen in Nienhagen werden. Gleich im November desselben Jahres folgte der Länderkampf der Schüler und Schülerinnen zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Ära Küster ab 1969

Kurz zuvor, im August 1969, konnte Burckhard Küster (MTV Celle) als Braungurtträger für das Training der SVN-Judoka gewonnen werden. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Abteilung aus 8 Aktiven. Mit der Anschaffung der Matte und der Verpflichtung von Küster ging es mit dem Judosport von nun an in Nienhagen stetig bergauf.

Durch mehrere Vorführungen in der heutigen Samtgemeinde, Kurse für Anfänger und erste erfolgreiche Gürtelprüfungen stieg das Interesse an dieser noch exotischanmutenden Kampfsportart aus Asien in Nienhagen und den angrenzenden Gemeinden enorm an. Die Konkurrenz innerhalb des Sportvereins hielt sich mit Turnen, Fußball, Gymnastik und Schwimmen im Verhältnis zu späteren Zeiten in Grenzen. Mit 25 Teilnehmern konnten Walter Dann und Helmut Stelzer daher 1970 ohne größere Probleme die erste Jugendgruppe ins Leben rufen. Die Kinder- und Jugendarbeit sollte sich über all die Jahre bis zum heutigen Zeitpunkt zur Hauptaufgabe der Judoabteilung entwickeln.
Zu Beginn des Jahres 1971 schied Gerhard Essink aus dem Amt des Vorsitzenden aus und an seine Stelle wurde Burckhard Küster gewählt. Sich häufende Gürtelprüfungen, die Graduierung Burckhard Küsters zum Schwarzgurt (1. Dan) im Dezember 1971 und die erfolgreich bestandene Kampfrichterausbildung von Helmut Stelzer, Walter Dann, Klaus Seipp und Burckhard Küster hoben das technische Niveau der Nienhagener Judoka. Verstärkte Teilnahmen an Meisterschaften führten zu ersten regionalen Erfolgen insbesondere im Schülerbereich.1972 wurden dem Deutschen Judo-Bund 47 Mitglieder gemeldet, darunter bereits die ersten 3 Mädchen. Durch die unerwartet hohe Teilnehmerzahl an einem Judo-Anfängerkurs im Oktober 1972 stieg die Mitgliederzahl auf 85 Judoka noch einmal ungewöhnlich stark an. Neben vielen Wettkampferfolgen der jungen SVN-Judoka auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene holte Michael Angelovski 1974 bei den Schülern den ersten Niedersachsenmeistertitel nach Nienhagen.

Gründung 1969

Die Gründung der Judoabteilung des SV Nienhagen erfolgte im Jahr 1968. Geleitet und trainiert wurde die Sparte von Gerhard Essink. Das Training fand – für heutige Verhältnisse unvorstellbar – zunächst provisorisch in der alten Sporthalle der Grundschule Nienhagen auf blauen Turnermatten statt. Erst im Dezember 1969 kam die erste Rhode-Original-Judomatte mit Plane in der Gesamtgröße 6 m x 6 m, die im Rahmen einer Feierstunde und in Anwesenheit von Vertretern der Gemeinde und Presse vom 1. Vorsitzenden des SVN, Klaus Gärtner, übergeben wurde.